Tarifvertrag groß und außenhandel berlin 2017

Wie also hat sich Deutschland mit dem viertgrößten BIP der Welt (nach den Vereinigten Staaten, China und Japan) vom kranken Mann zum wirtschaftlichen Superstar gewandelt? Alle Arbeitnehmer haben das Recht, einer Gewerkschaft beizutreten. Einige Arbeitnehmergruppen sind jedoch von der Gewerkschaftsvertretung ausgeschlossen: Ab 2017 sind Tarifverhandlungen und Betriebsratsabdeckung in der Kernzone des Systems der Arbeitsbeziehungen – große Fertigungsbetriebe – nach wie vor stark und im privaten Dienstleistungssektor deutlich schwächer. In Westdeutschland sind rund 41 % aller Beschäftigten im verarbeitenden Gewerbe tarifvertraglich betroffen und werden auch durch einen Betriebsrat vertreten – gegenüber nur 19 % aller westdeutschen Dienstleistungsbeschäftigten und nur 11 % aller Bauarbeiter (Daten aus dem Jahr 2016 – Kohaut/Ellguth 2017). Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände, Tarifverhandlungen und Arbeitnehmervertretung am Arbeitsplatz sind die Eckpfeiler der Systeme der Arbeitsbeziehungen in vielen entwickelten Ländern. Deutschland zeichnet sich durch ein Land mit mächtigen Betriebsräten und einer hohen Deckungsquote von Tarifverträgen aus, die von interessengruppen von Arbeitnehmern und Arbeitgebern sowie vom Staat unterstützt werden. Der deutsche Fall und die wahrgenommene Stabilität seines Systems der Arbeitsbeziehungen haben bei Forschern und Politikern große Aufmerksamkeit erregt, was auch mit der hohen Produktivität des Landes, vergleichsweise wenigen Streiks und relativ geringen Beschäftigungsproblemen zu tun hat. Angesichts der Digitalisierung hat das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Wirtschaftsforschung Mannheim (ZEW) im Mai 2016 eine repräsentative IAB-ZEW Working World 4.0-Umfrage unter 2.032 Unternehmen aus dem verarbeitenden Gewerbe und im Dienstleistungssektor durchgeführt. Im Jahr 2017 wurde die Erhebung auf Daten der sozialen Sicherheit ausgeweitet; darüber hinaus werden die Ergebnisse einer anstehenden Mitarbeiterbefragung hinzugefügt. Der neue Datensatz Digitalisierung und Wandel der Beschäftigung (DiBaWe) wird die sozialpolitischen Implikationen der Digitalisierung erforschen. In den letzten Jahren haben Tarifverträge an Bedeutung gewonnen, um neue Arbeitszeitregelungen zu regeln oder Optionen dafür auf Betriebsebene zu schaffen. Der Trend ist auf die Forderung der Arbeitgeber nach mehr Arbeitszeitflexibilität und auf die Forderungen der Gewerkschaften nach mehr Autonomie zurückzuführen. Im Rahmen eines 2016 abgeschlossenen Tarifvertrags können Arbeitnehmer, die bei den Unternehmen der Deutschen Bahn beschäftigt sind, zwischen einer Lohnerhöhung, einer Verkürzung der Wochenarbeitszeit oder zusätzlichen sechs freien Tagen wählen. Im Chemie- und Bergbausektor sieht der Tarifvertrag von 2017 eine Öffnungsklausel vor, um von der sektoralen Wochenarbeitszeit auf Betriebsebene abzuweichen, indem bestimmten Einheiten oder Gruppen von Arbeitnehmern die Wahl zwischen 35 und 40 Stunden zur Verfügung gestellt wird.

Sehr lange Arbeitszeiten von bis zu 12 Stunden sind ebenfalls erlaubt. Die Anpassungszeit wird auf 36 Monate verlängert (die EU-Arbeitszeitrichtlinie sieht vier Monate vor). Der im Metall- und Maschinensektor im Jahr 2018 beschlossene Tarifvertrag enthält eine Öffnungsklausel, die allen Arbeitnehmern die Möglichkeit gibt, ihre Arbeitszeit für einen bestimmten Zeitraum auf mindestens 28 Stunden zu reduzieren und danach wieder auf Vollzeitstunden zurückzukehren und andererseits den Anteil der Überstunden beschäftigten Arbeitnehmer zu erhöhen, die aber von den DGB-Mitgliedsverbänden beauftragt wurden, Tarifverhandlungen mit Arbeitgebern der Leiharbeit zu führen. Das Grundgesetz (GG) und das Tarifvertragsgesetz von 1949 (TVG) garantieren die Koalitionsfreiheit und die Autonomie von Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden/Einzelarbeitgebern beim Abschluss verbindlicher Tarifverträge.

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